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Präsidentin für praktische Lösungen
Es ist die größte Hochschule für angewandte Wissenschaften Ostdeutschlands: Seit fast einem Jahr steht Professorin Annabella Rauscher-Scheibe an der Spitze der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin. Sie macht Wissenschaftsmanagement mit gesellschaftlicher Bedeutung. Dafür muss zwar das Chorsingen pausieren, aber zur Gitarre greift sie weiterhin. | > diskurs | März 2024 |

Dem Virus auf der Spur
Der erste Coronatest kam aus Berlin. Das Biotechnologieunternehmen TIB Molbiol von Dr. Constanze und Olfert Landt ist seit 30 Jahren Experte für den Nachweis von Krankheitserregern. Oft ist die Schöneberger Firma dabei schneller als die Konkurrenz.  | > diskurs | Oktober 2020 |

Früher waren mehr Wolken
Alle zurück aus dem Urlaub? Hoffentlich nicht vergessen, Ansichtskarten an die Lieben daheim und die Kollegen zu schreiben? Die Sprachforscherin Josephine Obert hat sich mit Inhalt und Form von Ansichtskarten beschäftigt, mit Banalitäten, mit Superlativen und der Frage, warum – trotz WhatsApp – immer noch olle Karten geschrieben werden




Frau Obert, Sie haben Ansichtskarten aus mehr als 60 Jahren untersucht. Wer hat früher geschrieben, und wer macht es heute überhaupt noch?
Es schreiben deutlich mehr Frauen als Männer. Frauen sind auch häufiger die Adressatinnen, soweit wir das erkennen konnten. Ich höre heute mehr von älteren Menschen, dass sie immer noch ganz fleißig Ansichtskarten schreiben. Ich habe eine Mail von einer älteren Dame bekommen, die mir erzählt hat, sie schreibe aus jedem Urlaub 50 Postkarten.

Stattlich!
Allerdings. Und sie sagt auch, dass sie selbst immer noch so viele Karten bekomme. Das ist offenbar eine eingeschriebene und eingeschworene Gemeinschaft. Leute unter 40 oder 30 Jahren machen das wohl wirklich nicht mehr in dem Ausmaß. Ich schätze, dass etwa die Hälfte der Urlauber heute eher eine WhatsApp schickt und keine Karte. | > DAS MAGAZIN | September 2019 |

Blöder Gedanke?

Ein Seehotel ohne See, die Wände voller gefälschter Meisterwerke, in einer Gegend, die bisher nicht gerade für Tourismus stand. Der norddeutsche Unternehmer Gerold Schellstede hatte eigentlich andere Pläne für seinen Ruhestand, aber nun mischt er die Niederlausitz auf

DAS MAGAZIN Blöder Gedanke Porträt Gerold Schellstede Großräschen| Text und Foto Marcus Müller © 2018

Kann man so eine Geschichte glauben: Mann mit einigem Kleingeld auf dem Konto tauscht Finca auf Mallorca mit einer Pritsche in der brandenburgischen Pampa, eröffnet ein Seehotel, dem der See fehlt, und will einem dann auch noch seine falschen van Goghs, Klimts und den da Vinci an der Wand zeigen? Es braucht mehr als zwei Kännchen schwarzen Tees mit Zitrone, um das Leben des bald 79-Jährigen Gerold Schellstede wenigstens grob zu umreißen. Auch, weil der hochgewachsene Mann mit den schlohweißen Haaren, den dezenten Gesten und aufmerksamen, blauen Augen so gar nichts Prahlerisches an sich hat. Norddeutsch ist er. Nicht bange, sagt er, wenn er von Lebensentscheidungen spricht, vor denen andere sehr bange zurückgeschreckt wären. Gerold Schellstedes Lebenswerk ist eigentlich vollendet, als er… | > DAS MAGAZIN | April 2018 |

Schwarzer Humor, jawoll

„Ich habe Humor, sie einen Tumor.“ Ist das lustig? Kann man den Tod verlachen? Wie hat sich unser Umgang mit dem Tod verändert und wie kann man ihn „ausstellen“? Ein Gespräch mit Reiner Sörries, der bis Anfang 2016 fast 25 Jahre Jahre lang Direktor des Kasseler Museums für Sepulkralkultur war


Herr Sörries, was ist lustig am Tod?  
Der Mensch kann sich ja über alles lustig machen, manchmal auch über den Tod. Das ist keine ganz neue Erfindung. Zumindest in unserem christlichen Kulturkreis hat es etwa in der katholischen Kirche das Osterlachen gegeben, in der orthodoxen Kirche existiert es noch. Dabei wird der Tod verlacht an Ostersonntag. Der Priester auf der Kanzel muss es fertigbringen, die Gemeinde zum Lachen zu bringen. Christen sagen damit: „Jawoll, der Tod hat nicht das letzte Wort, deswegen dürfen wir ihn auch auslachen.“ Daraus ist im Laufe der Zeit der schwarze Humor geworden.

Es ist also gar nicht pietätlos, über den Tod zu lachen?
Nein, gar nicht! Nur bleibt uns beim schwarzen Humor oder bei Karikaturen über den Tod oft… | > DAS MAGAZIN | Mai 2016 |

Eine Nummer im Wald

Unser Freund der Baum wird gezählt und bekommt ein Schild. Wahnsinn, oder?


Es war auf einem unansehnlichen Trampelpfad unterhalb einer Straße in Berlin, die Natur unter der Jahreszeit erstarrt, kahle Äste griffen in einen matten Himmel. An graubraunen Stämmen auf einer Höhe von etwa zwei Metern leuchteten kleine rechteckige Schilder, blau, mit weißer Schrift: 5055, 5056 … 5060. Baumnummern. Nicht nur hier, sondern in ganz Deutschland führen die Bäume am Wegesrand, mit Zahlen ausgestattet, ein Leben wie die Menschen – jeder hat eine Identität, einen Platz im Melderegister, im Ordner, im Kontrollsystem. In Wiesloch in Baden-Württemberg ebenso wie in Schwerte am Ruhrwanderweg, im badischen Endingen, wo man die 100 Jahre alten Kastanien mit silbernen Metallplättchen ausgestattet hat, oder bei den Hüllhorstern in Nordrhein-Westfalen, deren 2.146 Bäume auf öffentlichen Plätzen und an Straßen seit 2010 schwarze Plaketten mit fortlaufender Nummer und Gemeindekennziffer tragen. | > DAS MAGAZIN | Februar 2015 |

Salonschiffe in Berlin: Bootseigner demonstrierten auf der Spree
Die Eigentümer von Salonjachten, Barkassen und Partyschiffen wehren sich gegen eine Verordnung des Bundesverkehrsministerium. Nun fuhr eine Protestparade über die Spree. | > Der Tagesspiegel | 6. Mai 2015 |

Aldi-Mitbegründer stirbt 94-jährig: Wer war Karl Albrecht, der Unsichtbare?
Golfspieler, Orchideenzüchter, reichster Deutscher: Viel mehr ist über Karl Albrecht nicht bekannt. Nun ist der Aldi-Mitbegründer tot. Ein Nachruf auf den wohl unbekanntesten Global Player der Welt. Es hat 40 Jahre gedauert, bis das Lebenswerk von Karl Albrecht auch kulturell gewürdigt wurde. Plötzlich gab es einen offiziellen Fanclub, Bücher, die das Phänomen preisten, selbst ein Song durfte nicht fehlen:  | > stern.de | 21. Juli 2014 |

Tapete Wohnungssuche Foto Marcus Müller

Wohnungssuche in Berlin: Auch Google-Street-View hilft nix

Als ich im August vergangenen Jahres eine E-Mail schrieb, wusste ich nicht, dass es zwei magische Wörter gibt, die größte menschliche Zuneigung und ernst gemeintes Mitgefühl erzeugen: „Suche Wohnung“, schrieb ich in den Betreff einer sonst so lässig wie möglich formulierten Mail an einen ansehnlichen Empfängerkreis. Auf die grobe Eingrenzung – 60 Quadratmeter, zwei Zimmer, um die 600 Euro, innerhalb des S-Bahn-Rings – und einem möglichst viele Chancen wahrenden „alles nicht in Stein gemeißelt, kommt auf die Wohnung an“, habe ich viel Zuspruch und Trost von den Menschen erfahren, die gerade nicht einen Millionär geheiratet hatten. Für den Notfall gab es das sehr nette Angebot, im Sommer in einer tatsächlich sehr hübsch vor den Toren Spandaus gelegenen Datsche unterzukommen. Danke, Leute! | > Der Tagesspiegel | 14. April 2014 |

Live-Ticker: Sitzend in den Abgrund
Die Abgründe an Niedertracht und Nichtsnutzigkeit, die sich regelmäßig hinter +++ Live-Tickern +++ auftun, sind ja inzwischen legendär. Doch die Online-Medien lieben sie weiter. Die Frage ist: Ob sie es trotz des erwiesenen Nichtnutzens tun – oder gerade deswegen? Jedenfalls hätte es bei den Medien nach den beliebten wie gesellschaftlich doch eher irrelevanten „Aufregern“ der vergangenen Wochen – ADAC, Lanz, Dschungelcamp – langsam möglicherweise mal wieder Butter bei die Fische geben können. Eine Regierungserklärung stand ins Haus. Immerhin eine der, so heißt es doch ständig, mächtigsten Frau der Welt. Klar, im Angela-Merkel-Deutschland weiß inzwischen jeder, dass das in etwa so spannend zu werden verspricht wie ein herumliegendes Wollknäuel. Doch der Live-Ticker kann noch mehr, er strickt so was rituell bis zur völligen Sinnlosigkeit… | > CARTA | 1.  Februar 2014 |

Von Politik befreite Interviews mit Politikern. Im Politikteil.  Wie seltsam

Die Süddeutsche Zeitung hat am Wochenende ein sensationelles Interview veröffentlicht. Es ist sensationell, obwohl sie es mit einem Politiker geführt hat. Es ist hier aber nicht der Politiker die Sensation, der einmal ungeschminkt und freimütig sagt, was sonst der öffentlich diskutierten politischen Raison widerspricht. Die Sensation an dem Gespräch mit dem Grünen-Fraktionschef in Hessen, Tarek Al-Wazir, ist: Die Süddeutsche schafft es, ein Interview mit einem Politiker zu führen, das weitestgehend befreit von Politik ist, genauer: vom Inhalt der Politik. Es geht im Prinzip in wiederkehrenden Variationen um Macht, deren Abwesenheit (Opposition), Beliebtheit, sowie ob und wie lange man diese Opposition ertragen könne. 20 Fragen lang! Eigentlich wäre dagegen nichts einzuwenden, wenn… | > debattiersalon.de | 18. August 2013 | und | > CARTA | 20. August 2013 |

Finanz-Werbung: „Das ist fast schon Satire“

Als würde ein Zahnarzt den Bohrer preisen: Warum die Werbung der Banken die Kunden eher vergrault und warum sie misstrauische Kunden lieber aufklären sollten, erklärt Wirtschaftspsychologe Tarek el Sehity. | > DIE ZEIT | 19. April 2012 |

Prinzip Dorfbank

Eine Drogenvergangenheit, Knasterfahrung, einen Sack voll Schulden und seit Jahren keinen Job: Stefan Höppner hatte so ziemlich alles zu bieten, was einem Kreditsachbearbeiter den kalten Schweiß auf die Stirn treibt. | > Sonnemann-Magazin | 1/2012 |

Frische Luft dank Beton
Werner Tischer tüftelte lange, dann hatte er einen Pflasterstein erfunden, der den Abbau gesundheitsgefährdender Stickstoffoxide beschleunigt. Die Erfindung könnte dazu beitragen, dass Städte bald besser durchatmen können. | > brand eins | Oktober 2011 |

Reine Gefühlssache
Blinde und Sehbehinderte erfüllen sich den Traum vom Autofahren und geben selbst ihren Fahrlehrern noch gute Tipps.  | > Süddeutsche Zeitung | 10. August 2009 |

Vier Sterne warten aufs WasserIn hohem Alter wagt der Unternehmer Gerold Schellstede sein fantastisches Projekt: ein Seehotel. Noch ohne See. | > brand eins | August 2009 |

Kurt Becks Rücktritt: Angst und Schrecken am Schwielowsee
Kurt Becks Rücktritt kam für viele überraschend, vor allem für seine eigenen Parteikollegen. Tatsächlich fiel seine Entscheidung plötzlich – nachdem er in den Stunden und Tagen zuvor zahlreiche Demütigungen ertragen musste. stern.de zeichnet die Ereignisse nach.

Vielleicht begann der Ärger für Kurt Beck schon im Laufe der vergangenen Woche. Franz Müntefering feierte im Münchner Hofbräukeller ein viel umjubeltes Polit-Comeback. Dutzende Fernsehkameras waren da, Fotografen rissen sich um den Sauerländer. Eine Dreiviertelstunde redete er über die SPD und Bayern, holte weit aus, zitierte Willy Brandt und Helmut Schmidt, lobte Gerhard Schröders Agenda-Politik und nannte den bayerischen SPD-Spitzenkandidaten Franz Maget einen „Grund, die SPD zu wählen“. Nur Kurt Beck erwähnte Müntefering mit keiner einzigen Silbe. | > stern.de | 8. September 2008 |

Architektenträume: Die Sechs von der Urwaldbaustelle
Sag mir, was du bauen willst, und wir entscheiden, ob was daraus wird: So drehen Berliner Architekturstudenten die Usancen ihrer Branche um. Als Jury beim Bauherren-Casting erwählten sie einen Auftraggeber – und der lud sie gleich in den indischen Dschungel ein.

„Ich habe das noch nicht richtig verstanden“, sagt Florian Lippe und stützt sich auf den langen weißen Tisch, auf dem die Kopie eines Grundstücksplans und Blöcke mit ein paar hingekritzelten Notizen liegen. Lippe blickt auf die Papiere und seufzt: „Das Projekt ist noch nicht bei mir angekommen, ich muss noch drüber nachdenken.“ Das muss er sogar dringend, denn gemeinsam mit fünf weiteren Architekturstudenten der Berliner Universität der Künste (UdK) will Lippe in nur drei Tagen einem Auftraggeber mindestens eine Idee für sein Grundstück entwerfen. | > Spiegel Online | 22. Juli 2008 |

Doping: Bis zum blutigen Ende
Jörg Börjesson hat jahrelang Anabolika geschluckt, um seine Muskeln zu formen. Er hat seinen Körper zerstört. Die Gelenke sind kaputt, der Magen ist es auch.

Auf den ersten Blick sieht Jörg Börjesson wie ein kräftiger Mann aus. Stattliche 1,80 Meter ist er groß und wiegt beachtliche 100 Kilogramm. Doch wenn sich der 41-Jährige bewegt, verflüchtigt sich der Eindruck eines zupackenden Typen. Bedächtig wie ein Greis erklimmt er Treppenstufen, sein Rücken krümmt sich dabei, denn er hat einen Bandscheiben-Schaden, seine Gelenke sind kaputt, der Magen auch. Jörg Börjesson ist ein Wrack. | > Hamburger Abendblatt | 19. Juni 2007 |

Key West: Sprengt die Brücken!
„Rettet die Keys!“ Mit solchen Parolen zeigen die Bewohner der Inselkette, dass sie sich selbst genug sind – als tropisches Revier für Raubeine und Romantiker, Aussteiger und Abenteurer.

Als Jake Ferguson vor 18 Jahren auf die Florida Keys kam, wollte er eigentlich auf die Bahamas. Einen Monat lang war er als 20-Jähriger von New York aus nach Süden gesegelt. Als er in den Hafen von Key West einlief, hatte er nur noch 40 Dollar in der Tasche. Nicht genug, um weiterzufahren.… | > MERIAN | 01/2007 |

Was macht eigentlich … Norbert Gansel?

Der langjährige SPD-Parlamentarier, ein Parteilinker, kämpfte schon früh für die Veröffentlichung aller Nebeneinkünfte der Bundestagsabgeordneten. | > stern | 51/2006 |

„Diese Webseite wäre schlecht für Kafkas Gesundheit“
Vincent van Quickenborne, 30, ist Staatssekretär für die Vereinfachung der Verwaltung der belgischen Regierung. Von ihm stammt die Idee für die Internetseite „Kafka.be“ – einer „Meldestelle für umständliche Amtswege“, bei der die Belgier sich über unsinnige Verwaltungsvorschriften beschweren konnten.

Herr van Quickenborne, wie sind Sie denn ausgerechnet für eine Webseite gegen den belgischen Amtsschimmel auf den Namen „Kafka.be“ gekommen?
Nun, er ist etwas ironisch. Aber durch den weltweit bekannten Namen kann man auf ein sehr bekanntes Problem hinweisen: die komplizierte Verwaltung. Herr Kafka hat als Schriftsteller vor langer Zeit über die Probleme geschrieben, die wir als Individuen mit dem allmächtigen Staat haben. Deshalb dachte ich, dass die Webseite mit dem Namen von Kafka ein gutes Symbol für die Schlacht ist, die wir gegen den Aufwand mit Formularen führen.

Wie kompliziert ist denn die Verwaltung in Belgien, dass Sie sie mit Kafkas Werken vergleichen?
Sie ist sehr kompliziert, weil die Erwartungen hoch sind. Jeder Mensch muss viele unterschiedliche Formulare ausfüllen. | > Spiegel Online | 21. Juli 2004 |